24-Stunden-Antwortgarantie –
weil Sie nicht warten wollen.

Wertermittlung für Versicherungszwecke: Den korrekten Neubauwert bestimmen und Unterversicherung vermeiden

10. Juni 2026

Reicht Ihre Wohngebäudeversicherung im Ernstfall wirklich aus, um Ihr Haus komplett neu aufzubauen? Viele Eigentümer verwechseln den Marktwert ihrer Immobilie mit dem tatsächlichen Neubauwert – ein Irrtum, der im Schadensfall zu einer Kürzung der Auszahlung führen kann, selbst bei kleineren Schäden. Dieser Ratgeber erklärt, wie der „Wert 1914″ berechnet wird und wie ein Gutachten Sie vor Unterversicherung schützt.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Verkehrswert vs. Versicherungswert: Der Marktwert einer Immobilie kann aufgrund von Lagefaktoren drastisch unter oder über dem realen bautechnischen Neubauwert liegen.
  • Die Unterversicherungs-Falle: Ist die Versicherungssumme zu niedrig angesetzt, darf der Versicherer die Schadenzahlung bei jedem Teilschaden prozentual kürzen – nicht nur beim Totalschaden.
  • Die mathematische Basis: Die Berechnung basiert traditionell auf dem fiktiven „Wert 1914“ in Mark, der über den jährlich steigenden Baupreisindex auf das aktuelle Kalenderjahr hochgerechnet wird.
  • Hebel zum Vermögensschutz: Ein qualifiziertes Sachverständigengutachten liefert eine lückenlose, elementare Baubeschreibung, die von den Versicherungsgesellschaften regelmäßig als verlässliche Obergrenze anerkannt wird.

Wer stolzer Eigentümer einer Immobilie ist, sorgt sich im Regelfall akribisch um den Schutz seines wertvollsten Besitzes. Man installiert moderne Schließzylinder gegen Einbrüche, wartet die Heizungsanlage regelmäßig und schließt eine umfassende Wohngebäudeversicherung ab, um das Objekt gegen die existenziellen Gefahren von Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel und zunehmend auch gegen Elementarschäden wie Hochwasser oder Starkregen abzusichern. Man wiegt sich in der beruhigenden Gewissheit, dass im schlimmsten aller Fälle – wenn das Haus nach einem verheerenden Brand nur noch als rauchende Ruine dasteht – die Versicherung den finanziellen Schaden vollumfänglich reguliert und den Wiederaufbau finanziert. Doch diese Sicherheit ist in tausenden deutschen Haushalten eine gefährliche, mathematische Illusion.

Im Schadensfall zeigt sich das Problem meist in Form eines einzigen, nüchternen Begriffs: Unterversicherung. Wenn der Gutachter der Versicherungsgesellschaft feststellt, dass der vertraglich vereinbarte Versicherungswert niedriger ist als die realen Kosten, die für den Neubau des Gebäudes am Tag des Schadens aufgewendet werden müssen, bricht der finanzielle Schutz vollständig weg. Die Versicherung kürzt dann die Auszahlung – und zwar nicht nur beim seltenen Totalschaden, sondern anteilig bei jedem noch so kleinen Teilschaden. Wer beispielsweise einen Sturmschaden am Dach von 10.000 Euro beklagt, aber zu 20 Prozent unterversichert ist, erhält von der Versicherung kurzerhand nur 8.000 Euro überwiesen. Bei einem echten Großbrand führt dieses mathematische Gesetz direkt in den privaten Konkurs.

Der Grund für dieses flächendeckende Risiko liegt in einer fundamentalen Unkenntnis über die Natur von Immobilienwerten. Die Wertermittlung für Versicherungszwecke folgt völlig anderen Gesetzmäßigkeiten als die klassische Ermittlung des Markt- oder Verkehrswerts. Während beim Hausverkauf die Lage, die Nachfrage und der Bodenwert die Hauptrolle spielen, interessiert sich die Versicherung ausschließlich für die nackten, bautechnischen Herstellungskosten der reinen Bausubstanz. In diesem umfassenden Leitfaden brechen wir die komplexen Mechanismen der versicherungstechnischen Wertermittlung auf, erklären das Mysterium des Werts 1914, entlarven die Fehlerquellen pauschaler Tarifmodelle und zeigen auf, wie Sie sich über ein qualifiziertes Verkehrswertgutachten oder eine dedizierte Versicherungswertermittlung finanzielle Sicherheit verschaffen.

Warum ist der Verkehrswert nicht gleich dem Versicherungswert?

Der mit Abstand häufigste Fehler, den Immobilieneigentümer und auch ungeschulte Vermittler begehen, ist die Gleichsetzung des aktuellen Marktwerts mit der Versicherungssumme. Aus ökonomischer und bautechnischer Sicht haben diese beiden Werte jedoch fast keine Schnittmengen. Sie driften in der Realität regelmäßig drastisch auseinander:

  • Der Verkehrswert (Marktwert) gemäß § 194 BauGB: Er bildet ab, welchen Preis die Immobilie am Stichtag im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielen würde. Der Verkehrswert ist extrem lageabhängig. Er beinhaltet zu einem massiven Anteil den Bodenwert (den reinen Wert des Grund und Bodens). Steht ein Haus in einer absoluten Spitzenlage von Düsseldorf, macht der Bodenwert oft 60 bis 70 Prozent des Gesamtwerts aus. Brennt das Haus ab, bleibt das Grundstück jedoch unzerstört im Eigentum des Besitzers. Die Versicherung muss den Boden also niemals ersetzen.
  • Der Versicherungswert (Wiederherstellungswert): Er klammert den Bodenwert komplett aus. Ihn interessieren ausschließlich die baulichen Kosten für die Errichtung des Gebäudes inklusive aller Gewerke, Fundamente und technischen Anlagen. Ein identisches Einfamilienhaus verursacht rein bautechnisch im tiefsten ländlichen Raum exakt dieselben Material- und Lohnkosten wie im teuren urbanen Zentrum.

Das Paradoxon der Schere

Aus diesem Unterschied erwachsen zwei gefährliche Szenarien:

  1. In teuren Ballungsräumen liegt der Verkehrswert vielfach weit über dem Versicherungswert. Wer sein Haus fälschlicherweise in Höhe des Kaufpreises versichert, zahlt über Jahrzehnte hinweg viel zu hohe Versicherungsprämien für Werte, die im Schadensfall niemals reguliert werden (Überversicherung).
  2. In strukturschwachen Regionen liegt der reale Verkehrswert nicht selten weit unter den tatsächlichen Baukosten. Ein unrenoviertes Altbau-Mehrfamilienhaus lässt sich dort vielleicht für 150.000 Euro verkaufen – der Abriss der Brandruine und der originalgetreue Neubau nach modernen energetischen Standards kostet am selben Tag jedoch problemlos 450.000 Euro. Wer sich hier am Verkehrswert orientiert, gerät unbemerkt in eine katastrophale Unterversicherung.
Experten-Tipp

Verlassen Sie sich bei der Wertermittlung für die Gebäudeversicherung niemals auf die reine Wohnflächen-Schätzung nach dem sogenannten „Wohnflächenmodell“ der Versicherer. Dieses pauschale Verfahren ignoriert hochwertige Sonderausstattungen (wie Erker, teure Natursteinböden oder integrierte Smart-Home-Systeme) komplett. Im Falle eines Totalschadens zahlt die Versicherung dann nur den Standard-Neubau – die Kosten für die Luxus-Ausstattung tragen Sie selbst.

Was bedeutet der „Wert 1914″ bei der Gebäudeversicherung?

Wer einen Blick in seine aktuelle Wohngebäude-Versicherungspolice wirft, reibt sich meist verwundert die Augen. Dort steht als zentrale Versicherungssumme oft eine absurd niedrige Zahl – beispielsweise „Wert 1914: 25.000 Mark“. Was wie ein bürokratischer Scherz oder ein historisches Relikt aus der Kaiserzeit wirkt, ist in Wahrheit das stabilste und mathematisch eleganteste Berechnungsmodell der deutschen Versicherungswirtschaft.

Warum rechnet man im 21. Jahrhundert noch in „Goldmark“?

Das Problem der Versicherer ist die kontinuierliche Inflation und die unaufhaltsame Steigerung der Baupreise. Würde man eine feste Versicherungssumme von beispielsweise 300.000 Euro im Jahr 2010 vertraglich vereinbaren, wäre dieser Betrag durch die rasant gestiegenen Handwerkerlöhne und Materialkosten (insbesondere nach der jüngsten Baupreiskrise) heute viel zu niedrig, um dasselbe Haus wieder aufzubauen. Man müsste den Vertrag jedes Jahr manuell anpassen.

Um dieses Problem zu lösen, hat die Versicherungswirtschaft das Jahr 1914 als historisches Basisjahr definiert. Das Jahr 1914 war das letzte Jahr in der deutschen Geschichte, in dem eine stabile Währung (die Goldmark) existierte und die Baupreise reichsweit absolut ausgewogen waren. Der „Wert 1914“ drückt somit fiktiv aus, was die Errichtung des Gebäudes im Jahr 1914 in Goldmark gekostet hätte.

Die Hochrechnung über den Baupreisindex

Um aus diesem historischen Basiswert den realen Versicherungswert für das aktuelle Kalenderjahr zu errechnen, nutzt die Versicherung den Baupreisindex für Wohngebäude, der vom Statistischen Bundesamt jedes Jahr neu ermittelt wird. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) leitet daraus den jährlichen Anpassungsfaktor ab.

Die Berechnungsformel lautet:

Aktueller Neubauwert=Wert 1914 in Mark×Aktueller Anpassungsfaktor100\text{Aktueller Neubauwert} = \frac{\text{Wert 1914 in Mark} \times \text{Aktueller Anpassungsfaktor}}{100}

Steigt der Baupreisindex aufgrund von Materialverknappung oder steigenden Energiepreisen sprunghaft an, erhöht sich der Anpassungsfaktor automatisch. Dadurch passt sich Ihre Versicherungssumme in der Police Jahr für Jahr linear an das aktuelle Preisniveau an – vorausgesetzt, der historische Basiswert „Wert 1914“ wurde zu Beginn absolut fehlerfrei ermittelt. Und genau hier liegt die fundamentale Schwachstelle des Systems.

Die Fehlerquellen: Warum pauschale Wertermittlungen der Versicherer versagen

Wenn Sie eine Wohngebäudeversicherung abschließen, jagen die Gesellschaften Sie meist durch standardisierte Online-Abfragemasken. Die beiden gängigsten Methoden zur Ermittlung des Werts 1914 bergen für Eigentümer erhebliche Risiken:

Methode 1: Das pauschale Wohnflächenmodell

Hierbei fragt der Versicherer lediglich die Quadratmeterzahl der Wohnfläche, die Anzahl der Geschosse, die Dachform (z. B. ausgebautes Satteldach oder Flachdach) und den Typ des Gebäudes (z. B. freistehendes Einfamilienhaus oder Reihenhaus) ab. Das System multipliziert diese Daten mit einem pauschalen Basiswert und wirft den Wert 1914 aus.

  • Die Gefahr: Dieses Modell ist eine reine Massen-Typisierung. Es ist vollkommen blind für die qualitative Ausstattung Ihres Eigentums. Haben Sie im Innenraum hochwertigen italienischen Marmor verlegt, edle Echtholz-Parkettböden installiert, aufwändige Stuckarbeiten an den Decken restauriert oder eine hochmoderne KNX-Smart-Home-Steuerung integriert, weiß das System davon nichts. Im Falle eines Totalschadens zahlt die Versicherung über den pauschal ermittelten Wert nur die Wiederherstellung eines billigen Standardhauses aus dem Fertighaus-Katalog. Sie bleiben auf den Kosten für den Luxus-Standard privat sitzen.

Methode 2: Der Wertermittlungsbogen (Der Fragenkatalog)

Hierbei müssen Eigentümer ein mehrseitiges Formular ausfüllen und Kreuzchen bei verschiedenen Ausstattungsmerkmalen (z. B. Unterkellerung, Kaminofen, Solaranlage, Einbauküche) setzen.

  • Die Gefahr: Laien sind mit den bautechnischen Fachbegriffen dieser Formulare regelmäßig überfordert. Was gilt als „hochwertiges Dach“? Ab wann ist ein Keller „wohnwirtschaftlich ausgebaut“? Setzt der Eigentümer das Kreuzchen an der falschen Stelle, schätzt er den Wert unbewusst zu niedrig ein – die Unterversicherung ist vertraglich besiegelt. Zudem führen nachträgliche Modernisierungen (z. B. der nachträgliche Ausbau des Dachgeschosses oder die Errichtung eines großen Wintergartens), die dem Versicherer nicht sofort gemeldet werden, zu einer schleichenden, hochgefährlichen Unterversicherung des Bestands.
Benötigen Sie eine neutrale Werteinschätzung im Raum Neuss?

Unsere DEKRA-zertifizierten Sachverständigen erstellen gerichtsfeste Gutachten – fair, unabhängig und schnell.

Die dreidimensionale Tiefenprüfung: Wie Sachverständige den exakten Neubauwert herleiten

Ein qualifizierter und zertifizierter Immobiliengutachter schützt Ihr Vermögen vor diesen Risiken, indem er den Versicherungswert auf Basis nachvollziehbarer, mathematisch-bautechnischer Fakten ermittelt. In einem professionellen Verkehrswertgutachten, insbesondere im Sachwertverfahren, ist die Ermittlung des Brutto-Rauminhalts und der Normalherstellungskosten ohnehin der zentrale Rechenschritt. Der Sachverständige geht bei der Versicherungswertermittlung in drei streng aufeinander aufbauenden Phasen vor:

1. Die lückenlose Kubatur-Analyse (Brutto-Rauminhalt)

Der Gutachter verlässt sich nicht auf vage Wohnflächenschätzungen oder unvollständige Grundrisskopien. Er berechnet anhand der amtlichen Bauzeichnungen den exakten Brutto-Rauminhalt (BRI) des Gebäudes in Kubikmetern (m3). Der BRI umfasst das gesamte physische Volumen des Baukörpers von den Fundamenten bis zur Dachspitze. Diese geometrische Grundlage stellt sicher, dass das exakte Raumvolumen, welches im Falle einer Zerstörung neu umbaut werden muss, lückenlos erfasst ist.

2. Die qualitative Einstufung nach den NHK 2010

Auf Basis des intensiven Ortstermins ordnet der Gutachter das Gebäude den offiziellen Normalherstellungskosten (NHK 2010) der aktuellen ImmoWertV zu. Dabei wird das Objekt in eine spezifische Gebäudeklasse eingestuft (z. B. freistehendes Einfamilienhaus mit gehobenem Standard). Hochwertige Besonderheiten, Nebengebäude (wie Garagen und Carports) sowie besondere Bauteile (wie Erker, Balkone oder Loggien) werden als separate mathematische Zuschläge erfasst. Das Zwischenergebnis liefert die realen Neubaukosten auf Basis des Preisniveaus von 2010.

3. Die mathematische Rückrechnung auf das Jahr 1914

Über die historischen Indexreihen des Statistischen Bundesamtes rechnet der Sachverständige die ermittelten modernen Herstellungskosten exakt auf die historische Währungseinheit der Goldmark im Jahr 1914 zurück.

Die Formel für die Rückrechnung lautet:

Wert 1914=Neubaukosten (aktuell)×100Aktueller Baupreisindex-Faktor\text{Wert 1914} = \frac{\text{Neubaukosten (aktuell)} \times 100}{\text{Aktueller Baupreisindex-Faktor}}

Das Resultat ist ein belastbarer, detailliert hergeleiteter „Wert 1914″. Legen Sie dieses Gutachten Ihrer Wohngebäudeversicherung vor, ist die Gesellschaft gesetzlich und vertraglich dazu verpflichtet, den Unterversicherungsverzicht in die Police aufzunehmen. Die Versicherung akzeptiert damit schwarz auf weiß, dass die Summe perfekt ermittelt wurde. Im Schadensfall ist eine prozentuale Kürzung der Auszahlung damit regelmäßig ausgeschlossen.

Was die Versicherung im Ernstfall alles bezahlen muss – Der reale Kostenumfang

Viele Eigentümer glauben, dass der Neubauwert lediglich die reinen Material- und Handwerkerkosten für das neue Mauerwerk und das Dach abdecken muss. Das ist ein fataler Trugschluss. Wenn ein Gebäude durch ein Großereignis vollständig zerstört wird, fallen zahlreiche sekundäre Kostenpositionen an, die das reine Baubudget teils um bis zu 30 Prozent übersteigen.

Ein nach den Richtlinien der ImmoWertV erstelltes Versicherungsgutachten berücksichtigt diese Positionen explizit:

  • Abbruch- und Aufräumungskosten: Bevor ein neues Haus gebaut werden kann, muss die ausgebrannte, einsturzgefährdete Brandruine von Spezialfirmen abgerissen, abtransportiert und als gefährlicher Sondermüll (z. B. durch Asbestbelastungen) teuer entsorgt werden.
  • Bewegungs- und Schutzkosten: Kosten, die entstehen, weil unbeschädigte Teile der Umgebung (z. B. Nachbargebäude, öffentliche Gehwege) während der Sanierung geschützt oder bewegt werden müssen.
  • Architekten- und Ingenieurhonorare: Der komplette Neubau erfordert eine völlig neue statische Berechnung, neue Bauzeichnungen und eine erneute, kostenpflichtige Baugenehmigung durch das städtische Bauordnungsamt. Diese Planungskosten nach der HOAI müssen vollumfänglich im Versicherungswert enthalten sein.
  • Mehrkosten durch behördliche Auflagen: Dies ist der größte versteckte Kostentreiber bei Altbauten. Brennt ein Haus aus dem Jahr 1970 heute ab, darf es an derselben Stelle nicht mehr im energetischen Standard von 1970 errichtet werden. Das Bauamt genehmigt den Neubau nur, wenn er die strengen Kriterien des aktuellen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG, vormals Gebäudeenergiegesetz) lückenlos erfüllt (z. B. Installation einer Wärmepumpe, lückenlose Dämmung). Diese energetischen Mehrkosten müssen vom Versicherer reguliert werden – sofern die Versicherungssumme nicht gedeckelt ist.
Wichtig zu wissen

Die Wohngebäudeversicherung reguliert Schäden zum Wiederherstellungswert. Das bedeutet: Nach einem verheerenden Brand oder einem schweren Hochwasser zahlt der Versicherer die realen Kosten, die am Tag des Schadens anfallen, um das Gebäude in gleicher Art und Güte an Ort und Stelle komplett neu zu errichten – inklusive aller Architektenhonorare, Abbruchkosten und aktuellen behördlichen Bauauflagen.

Ein dramatisches Praxisbeispiel aus der Sachverständigenkanzlei

Wie existentiell sich die präzise Wertermittlung für Versicherungszwecke im realen Leben auswirkt, zeigt das folgende Fallbeispiel aus unserer Gutachterpraxis im Raum Neuss.

Der Ausgangssachverhalt: Ein Ehepaar besitzt ein stattliches, vermietetes Mehrfamilienhaus mit 4 Wohneinheiten (Baujahr 1930, kontinuierlich gut instand gehalten) in Neuss. Beim Abschluss der Wohngebäudeversicherung vor vielen Jahren wurde der Wert 1914 über ein pauschales Tabellenmodell des Vertreters auf 30.000 Mark festgelegt. Durch einen technischen Defekt in der Elektrik im Keller kommt es zu einem verheerenden Großbrand. Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder und wird vom Bauamt wegen akuter Einsturzgefahr sofort für unbewohnbar erklärt und gesperrt.

Die harte Realität der Schadensregulierung durch die Versicherung:

Die Eigentümer melden den Schaden ihrer Versicherung. Der Gutachter der Versicherungsgesellschaft rückt an und berechnet die realen Kosten für den vollständigen Wiederaufbau des Objekts inklusive Abbruchkosten und Architektenhonoraren nach modernen GModG-Auflagen am aktuellen Stichtag.

  • Tatsächlich benötigte Neubaukosten am Schadenstag: 900.000 €
  • Die versicherungstechnische Gegenrechnung: Der Versicherer prüft die Police. Die vereinbarten 30.000 Mark „Wert 1914“ ergeben umgerechnet über den aktuellen Anpassungsfaktor der Versicherung am Schadenstag eine maximale Versicherungssumme von exakt 675.000 €.

Das katastrophale mathematische Urteil:

Das Gebäude ist massiv unterversichert! Die vertragliche Versicherungssumme (675.000 Euro) deckt nur 75 Prozent der real benötigten Kosten (900.000 Euro) ab. Es liegt eine Unterversicherung von exakt 25 Prozent vor.

Die Konsequenz: Da es sich um einen Totalschaden handelt, greift die Proportionalitätsregel des § 75 VVG hier nicht zusätzlich kürzend – die Versicherung zahlt in diesem Fall die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme als absolute Obergrenze aus.

Tatsächliche Auszahlung der Versicherung: 675.000 €

Die finanzielle Deckungslücke für die Eigentümer: 225.000 €

Das Ehepaar steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Ihnen fehlen fast 400.000 Euro, um das Haus wieder aufzubauen, während gleichzeitig die Mieteinnahmen der 4 Wohnungen sprunghaft auf Null einbrechen. Hätten die Eigentümer vorab ein belastbares Versicherungsgutachten unseres Büros erstellen lassen, wäre der Wert 1914 im Vorfeld korrekt auf 40.000 Mark beziffert worden – die Versicherung hätte den Schaden von 900.000 Euro bis auf den letzten Cent voll regulieren müssen. Die Kosten für ein solches Gutachten machen dabei nur einen verschwindend geringen Bruchteil dieses Schadens aus. Details zu unseren fairen Honorarstrukturen findest du unter Preise.

Welche Unterlagen benötigt der Gutachter für die Versicherungswertermittlung?

Damit der Sachverständige den Neubauwert und den Wert 1914 methodisch fundiert und rechtssicher herleiten kann, sollten Eigentümer im Vorfeld folgende Unterlagen digital oder in Papierform bereitlegen:

  • Die vollständige Bauakte inklusive aller genehmigten Bauzeichnungen (Grundrisse aller Etagen, Querschnitte, Ansichten) im offiziellen Maßstab 1:100.
  • Eine aktuelle, amtliche Wohn- und Nutzflächenberechnung nach der Wohnflächenverordnung (WoFlV) oder alten Berechnungsverordnungen.
  • Eine detaillierte Aufstellung aller in den letzten Jahren durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen (z. B. Rechnungen über den Austausch der Heizung, die Dämmung des Dachs oder den Einbau neuer Fenster) inklusive Angabe des genauen Kalenderjahres.
  • Die aktuelle Versicherungspolice der bestehenden Wohngebäudeversicherung zur Überprüfung von eventuell bereits vereinbarten Sonderklauseln oder Leistungsausschlüssen.

Fazit und Handlungsempfehlung

Die Wertermittlung für Versicherungszwecke ist kein bürokratisches Pflichtprogramm, sondern die fundamentale Lebensversicherung für Ihr investiertes Kapital. Wer sich beim Abschluss einer Gebäudeversicherung blind auf die pauschalen Online-Schätzungen der Versicherungsgesellschaften verlässt oder Modernisierungen über Jahre hinweg nicht meldet, spart am vollkommen falschen Ende. Sie bauen unbewusst ein erhebliches finanzielles Risiko auf, die im Falle eines Großschadens Ihr gesamtes privates Vermögen vernichten kann.

Überlassen Sie den Schutz Ihres Eigentums nicht dem Prinzip Zufall oder den ungenauen Rastern standardisierter Massen-Tarifmodelle. Schaffen Sie verlässliche Klarheit. Egal ob sich Ihre Immobilie im Herzen von Düsseldorf, im ländlichen Raum von Kaarst oder in einer anderen Gemeinde der Region befindet – die DEKRA-zertifizierten Experten von MV-Immobilienbewertung stehen als unabhängige Schutzinstanz an Ihrer Seite. Wir berechnen den Brutto-Rauminhalt Ihres Gebäudes mit mathematischer Präzision, erfassen jede hochwertige Sonderausstattung lückenlos und leiten den exakten, belastbaren „Wert 1914″ streng nach den aktuellen Bundesstandards der ImmoWertV her. Mit unserem Gutachten in der Hand können Sie von Ihrer Versicherung in aller Regel einen Unterversicherungsverzicht verlangen. So bleibt Ihr Lebenswerk im Ernstfall zu 100 Prozent finanziell geschützt.

Für ein persönliches, absolut vertrauliches und für Sie vollkommen kostenfreies Erstgespräch bezüglich Ihrer Versicherungswertermittlung stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Nutzen Sie hierfür einfach direkt unsere Seite Kontakt oder besuchen Sie unser Sachverständigenbüro online unter der zentralen Webadresse www.mv-immobilienbewertung.de.

👉 Schützen Sie sich jetzt vor der Unterversicherungsfalle und lassen Sie Ihren Neubauwert rechtssicher ermitteln.

FAQ – Häufige Fragen zur Wertermittlung für die Gebäudeversicherung

Was passiert, wenn ich unterversichert bin, aber nur ein kleiner Schaden entsteht?
Auch bei einem Teilschaden kürzt die Versicherung die Auszahlung anteilig im Verhältnis von Versicherungssumme zu tatsächlichem Versicherungswert – unabhängig davon, wie klein der Schaden ist.

Was passiert bei einem Totalschaden und Unterversicherung?
Hier zahlt die Versicherung maximal die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme aus. Eine zusätzliche prozentuale Kürzung erfolgt in diesem Fall nicht mehr – die Versicherungssumme selbst ist bereits die Obergrenze.

Wie oft sollte ich den Wert 1914 überprüfen lassen?
Nach größeren Modernisierungen (Dachausbau, Anbau, umfassende Sanierung) sollte der Wert zeitnah neu ermittelt werden, da nicht gemeldete Änderungen zu einer schleichenden Unterversicherung führen können.

Was ist ein Unterversicherungsverzicht und schützt er mich vollständig?
Ein Unterversicherungsverzicht ist eine vertragliche Zusage der Versicherung, im Schadensfall auf die Einrede der Unterversicherung zu verzichten. Er bietet erhebliche Sicherheit, ersetzt aber nicht die Pflicht, Modernisierungen weiterhin zu melden.

Kostet eine professionelle Versicherungswertermittlung mehr als die Ersparnis wert ist?
In der Regel nicht – die Kosten für ein Gutachten liegen deutlich unter dem, was im Schadensfall durch eine Unterversicherung an Deckungslücke entstehen kann.

Murat Vural

Dipl. Ing. | Geschäftsführer MV Immobilienberatung

1 Comment

  1. Alan4487

    11. Juni 2026

Leave a Comment